Forum Arbeitsmarkt setzte Impulse für Fachkräftesicherung
Das Forum Arbeitsmarkt 2026 wurde inhaltlich neu konzipiert und fand am 24. und 25. Juni in der TECHBASE Linz statt. Erstmals richtete sich das Format an alle Bundesländer, sowohl Vortragende aus arbeitsmarktpolitischer Theorie und Praxis als auch die 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen heuer aus ganz Österreich.
Neu ist auch die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis. Forscherinnen und Forscher berichteten über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, Unternehmensvertreter:innen schilderten, wie sie die Erkenntnisse aus der Forschung im betrieblichen Alltag leben. „Dass alle Standort- und Systempartner zusammenarbeiten, ist ein oberösterreichisches Spezifikum“, betonte Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner in seiner Eröffnungsrede. „Das ist die beste Voraussetzung dafür, die beiden zentralen Aufgaben – Fachkräfte sichern und Produktivität steigern – zu lösen.“
Theorie und Praxis
Einblicke in die Praxis lieferten außerdem Besichtigungen des Siemens Trainingscenters, der WIFI OÖ Werkstätte Metalltechnik und der vivo Kinderwelt der voestalpine. Zu den Neuerungen zählt auch, dass erstmals Arbeitsmarktexpert:innen und Unternehmen gemeinsam über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen am Arbeitsmarkt sprachen sowie in Workshops gemeinsam Lösungen debattierten und entwickelten. „Die inhaltliche Neuausrichtung des Angebots kommt an. Die 160 Teilnehmer sind der Beleg dafür“, freut sich Landesrat Achleitner über die große Resonanz.
Zum Forum Arbeitsmarkt 2026 eingeladen hatten die Abteilung Human Capital Management (HCM) der oö. Standortagentur Business Upper Austria und das Wirtschaftsressort des Landes OÖ. Die wissenschaftliche Leitung lag bei der Johannes Kepler Universität Linz unter Universitätsprofessor Reinhard Resch. Kooperationspartner sind jene Akteure, die den Arbeitsmarkt in Oberösterreich wesentlich mitgestalten: Das AMS Oberösterreich, die Arbeiterkammer OÖ und die Wirtschaftskammer OÖ.
Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner betonte die Dimension der Aufgabe: „Unser Ziel ist, die Menschen bestmöglich auf neue Anforderungen vorzubereiten – gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Zugleich sollen auch die Betriebe jene Fachkräfte zur Verfügung haben, die sie nach wie vor dringend benötigen. Dafür braucht es ein Bündel an Maßnahmen, das wir gemeinsam auf den Weg bringen wollen. Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt vollziehen sich immer rascher und dynamischer, daher wurde auch das Standortprogramm für Arbeit in Oberösterreich – upperWORK – für 2026 so gestaltet, dass wir rasch und flexibel auf Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und die Bedarfe der Unternehmen eingehen können.“
AMS-Vorstand Johannes Kopf empfahl mehrere Lösungen: „Um der Demografie zu begegnen, müssen wir die vorhandenen Potenziale heben. Wir sollten jene Arbeitskräfte besser nutzen, die bereits da sind. Viele Geflüchtete sind jung und ausbildungsfähig, diese müssen wir ausbilden und gezielt weiterqualifizieren sowie ihre Ausbildungen nostrifizieren.“ Einen weiteren Hebel sieht Kopf in besserer Kinderbetreuung, die die Erwerbstätigkeit insbesondere bei Frauen erhöhen kann. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) empfahl ebenfalls das Nutzen der vorhandenen Potenziale von Zuwanderern und Frauen.
Beide Experten betonten, dass lebenslanges Lernen immer bedeutender werde. „Wir müssen Menschen ermutigen, wieder in Bildung einzusteigen, neue Kompetenzen aufzubauen und neue Wege zu gehen. Dafür braucht es passende Förderungen und Anreize“, appellierte Weber. Johannes Kopf empfahl neue Ausbildungswege: „Eine Lehre nach der Matura ist die ideale Ausbildung für morgen.“ Auch die Duale Akademie der Wirtschaftskammer, die Matura und Lehre verbindet, ist ein zukunftsfähiges Ausbildungsmodell.
Die Expertinnen und Experten diskutierten außerdem die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI). Kopf unterstrich: „Höchste Produktivität mit KI hat man dann, wenn man die Belegschaft einbindet und qualifiziert.“ Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergänzte: „Durch KI kommt ein Umbruch und kein Einbruch, Beschäftigung wird nicht weniger. Und wir bräuchten eine Qualifizierungspolitik, die bei Menschen ab 50 anfängt.“
Viele dieser Ansätze sind in Oberösterreich bereits gelebte Praxis. Landesrat Achleitner verwies auf die Arbeitsmarktstrategie upperWORK als Kerninstrument: „upperWORK hat im Vorjahr 385 Millionen Euro umfasst. Damit erreichen wir rund 100.000 Menschen. Wir qualifizieren, stabilisieren und unterstützen sie in unterschiedlichsten Situationen.“ Das Erfolgsmodell beruhe auf Zusammenarbeit: „Alle Standortpartner, alle Sozialpartner und alle Systempartner arbeiten laufend zusammen. Wir analysieren, wir evaluieren. Wir greifen neue Themen auf, justieren nach und vereinbaren dann wieder ein gemeinsames Programm. Das Land OÖ, das Arbeitsmarktservice OÖ und die Sozialministeriumservice-Landesstelle OÖ investieren heuer 392 Mio. Euro im Rahmen von upperWORK in Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Das ist ein Plus von sieben Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr.“
Günther Schallmeiner, Leiter der Niederlassung Linz der Siemens AG Österreich, betonte die Eigenverantwortung der Unternehmen: „Für die Zukunft ist es essenziell, dass wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als goldenen Schatz sehen und entsprechend behandeln. Aus- und Weiterbildung steht bei uns an oberster Stelle – das sehen wir als unsere soziale Verantwortung.“
Die Talkrunde unterstrich die gemeinsame Verantwortung. Werner Pamminger, Geschäftsführer von Business Upper Austria, verwies auf die Wirtschafts- und Forschungsstrategie des Landes OÖ: „Fachkräfte und Qualifizierung stehen im Zentrum von #upperVISION2030. Genau diesen Brückenschlag zwischen Arbeitsmarkt- und Standortpolitik braucht es.“
Iris Schmidt, AMS Oberösterreich Geschäftsführerin, beschrieb die aktuelle widersprüchliche Lage: „Eine unglaubliche Gleichzeitigkeit, die fast schon paradox wirkt. Umso wichtiger ist es, Menschen zu motivieren, zu befähigen und lebenslanges Lernen zu stärken.“ Dagmar Andree von der Arbeiterkammer OÖ forderte mehr Investitionen, insbesondere in junge Menschen, und ein Umdenken über Leistungsbilder entlang des gesamten Erwerbslebens: „Wir wissen, was es braucht, aber es fehlt das Geld.“
Leonhard Zauner von der Wirtschaftskammer OÖ appellierte, die entwickelten Maßnahmen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit Oberösterreichs jetzt umzusetzen.
„Das Forum Arbeitsmarkt 2026 hat gezeigt: Fachkräftesicherung gelingt nur durch Vernetzung, konkrete Maßnahmen und Austausch über Bundesländergrenzen hinweg“, resümiert Business Upper Austria Geschäftsführer Werner Pamminger. Die Teilnehmenden aus den Bundesländern haben in Workshops ihre Lösungen, Maßnahmen und Initiativen ausgetauscht, um voneinander zu lernen. Die Veranstaltung lieferte strategische Orientierung in einer komplexen Zeit, konkrete praxisnahe Hebel und neue Kooperationen.
Die Abteilung Human Capital Management (HCM) der Standortagentur Business Upper Austria unterstützt Unternehmen aktiv dabei, den Fachkräftebedarf zu decken. Pamminger appelliert: „Nutzen Sie dieses Angebot, nehmen Sie Kontakt auf – und gestalten Sie den Arbeitsmarkt von morgen aktiv mit!“